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„Das Ziel von Kneipp Worldwide: gesunde Menschen. Wir fordern deshalb, die Prävention als vierte Säule im Gesundheitssystem zu verankern, einen neuen Schwerpunkt Präventionsforschung und die Stärkung der Gesundheitsförderung in ganz Europa. Denn in Europa stammen 80 Prozent der Krankheitslast aus chronischen Krankheiten, die oft vermeidbar sind“, so Marion Caspers-Merk, die designierte Präsidentin von Kneipp Worldwide.
Der Präsidialrat der internationalen Kneipp-Bewegung trifft sich am Freitag, 14. Oktober, in Brixen, am 15. Oktober findet eine Mitgliederversammlung des Verbands Kneipp Worldwide statt. Auf der Tagesordnung stehen das Präsidentschaftsamt, der Maßnahmenplan für die nächsten zwei Jahre und das Internationale Treffen der Kneipp-Bewegung in Überlingen.
Mehr als 200.000 Mitglieder aus über 40 Ländern stehen hinter dem Verband Kneipp Worldwide. Dass seine Gremien diesmal in Brixen tagen, liegt an der aufstrebenden Gesundheitsregion Südtirol. Etliche Anzeichen für die Beliebtheit des kneippschen Gesundheitskonzepts finden sich dort: neben einem Kneipp-Gesundheitshof fünf Wassertretstellen, vier Themen-Wanderwege und ein Themen-Erlebnisdorf. In den letzten Jahren widmet der Kneippverband Südtirol sich nicht nur der Prävention allgemein, sondern bildet seit 2006 in Zusammenarbeit mit der Sebastian-Kneipp-Akademie aus Deutschland Kneipp-Gesundheitstrainer/innen aus.
Zentrales Event der Bewegung sind die Internationalen Kneipp-Aktionstage, eine Mischung aus Spielen, Genuss und Geselligkeit rund um die fünf Kneippschen Elemente Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Die ersten Spiele fanden vor neun Jahren in Deutschland statt, die nächsten sind vom 23. bis 26. Juni in Überlingen am Bodensee geplant. Wie es danach weitergeht, auch darüber entscheidet der Präsidialrat bei seiner Sitzung in Brixen. Dass der Name der Spiele – früher „Kneippiade“ – geändert wurde, hat seinen Sinn. Damit will Kneipp Worldwide den internationalen Charakter der Spiele ausdrücken. Bisher gab es Spiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Auch die Präsidentschaft wechselt durch die Länder. Die vor einem Jahr als Präsidentin des Kneipp-Bund e.V. in Deutschland gewählte Politikerin Marion Caspers-Merk wird voraussichtlich durch den Präsidialrat nunmehr auch Präsidentin von Kneipp Worldwide. Sie war bis vor einem Jahr parlamentarische Staatssekretärin im deutschen Bundesministerium für Gesundheit und will nach eigenem Bekunden die internationale Vernetzung aller Gremien in der Gesundheitsprävention vorantreiben.
„Kneipp ist eins der höchst angesehenen Europäischen Naturheilverfahren und verdient europaweit mehr Beachtung“, so Marion Caspers-Merk. „Das Überhandnehmen von Zivilisationskrankheiten beweist: Ein vernünftiges Konzept für Prävention und Gesundheitsförderung ist dringend nötig. Staatliche Gelder für entsprechende Maßnahmen gibt es jedoch kaum.“ Was als „Gesundheitsausgaben“ in den staatlichen Etats gelistet werde, seien in Wirklichkeit Ausgaben für die Heilung von Krankheiten – also Geld für Ärzte, Medikamente und Krankenhäuser.
Das kneippsche Gesundheitskonzept erlaube die Sicht aus einem anderen Blickwinkel. Marion Caspers-Merk erklärt es so: „Die Kneipp-Bewegung fragt weniger nach den Dingen, die Krankheiten heilen; wir fragen vielmehr nach den Dingen, die wir tun können, um gesund zu bleiben.“ Dieser Ansatz führt fast von selbst zu der Frage, was Kinder tun können, um gesund zu bleiben – denn je früher sie lernen, wie „Gesund leben“ überhaupt geht, desto selbstverständlicher werden sie danach handeln: bis ins (hoffentlich) hohe Alter.
Leider beschränke sich die Diskussion über das Gesundheitssystems in vielen Ländern auf Fragen der Kostendämpfung, Finanzierung, Rechnungsmodelle: Einnahmen und Ausgaben. Tatsächlich aber sei es eine weithin bekannte Tatsache, dass ein vernünftiger Lebensstil das Entstehen von Krankheiten verhindern könne. Wer zu viel vor dem Computer sitzt, könnte Rückenschmerzen bekommen, wer sich aus der Fastfoodecke bedient, neigt zu Diabetes oder Übergewicht, wer lange in der Stressfalle sitzt, wird irgendwann Probleme mit Herz-/Kreislauf bekommen. Wer hingegen naturbelassen isst, sich gern an frischer Luft fit hält und auf seine Work-Life-Balance achtet, bleibt gesünder. „Dies ist allgemeines Wissen, aber da Gesundheit nicht als Teil des Gesundheitssystems betrachtet wird, rechnet man es als Kostenfaktor nicht ein“, so die Präsidentin des Kneipp-Bundes Deutschland. „Genau da gehört es aber hin.“
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