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Kneipp-Bund schlägt Alarm: Präventionsausgaben sinken

Berlin, 18.8.2010 - „Bei der Prävention ist es 5 nach 12“, so Kneipp-Bund Präsidentin Marion Caspers-Merk. „Wir wissen alle, dass die Gesunderhaltung ein zentrales Thema der künftigen Gesundheitspolitik sein wird. Aber: Das Gesundheitssystem legt vor allem Wert auf die Behandlung von Krankheiten. 3000 Euro pro Versicherten und Jahr wenden die Kassen dafür auf. Für Prävention hingegen sollen weniger als 5 Euro ausreichen?“

Nach Jahren stetigen Anstiegs ist erstmalig ein Rückgang von -23 Prozent im Bereich soziale Dienste/Prävention/Impfungen verzeichnet worden. „Das ist der stärkste Rückgang aller Zeiten“, so die ehemalige Staatssekretärin des Bundesgesundheitsministeriums.

Die neuen Entwicklungen zeigen, dass es weder eine politische Führung noch ein klares Bekenntnis, geschweige denn ein Konzept zur Prävention und Gesundheitsförderung gibt. Gesundheitsminister Rösler versprach zu Beginn seiner Amtszeit nicht nur eine Strukturreform des Gesundheitswesens, sondern auch eine umfassende Präventionsstrategie. Gehört haben wir hiervon bislang noch nichts.

Das aktuelle Defizit der Kassen darf nicht dazu führen, dass weiterhin an der falschen Stelle gespart und die Krankheitslast in die Zukunft verschoben wird.
Wir wissen heute, dass die Gesundheitsausgaben in einem hohen Maße durch die Anzahl gesunder Lebensjahre bestimmt werden. Prävention ist also nicht nur für jede Einzelperson von höchster Bedeutung, sondern auch für die Sicherstellung der Finanzierung des Gesundheitssystems essentiell.

Die Ausgaben für Prävention und Gesundheitsförderung machen mit knapp 340 Millionen Euro nur einen Promilleteil der Kassenausgaben aus. Nicht im Ansatz hat die Prävention den Stellenwert, der ihr zusteht. Der Kneipp-Bund fordert die Etablierung der Prävention als vierte Säule des Gesundheitswesens, gleichberechtigt neben Kuration, Rehabilitation und Pflege.

Auch die Schwerpunktsetzung der Maßnahmen von Prävention und Gesundheitsförderung hängt schief. Pro Versicherten werden 4,06 Euro für individuelle Ansätze ausgegeben, oft als wirksames Marketinginstrument der jeweiligen Kasse. Demgegenüber fließen nur 0,26 Euro je Versicherten in lebensweltbezogene Maßnahmen, zum Beispiel in KiTas oder Schulen. Das politische Ziel, 50 Cent pro Versicherten in diese zu investieren, ist nicht ansatzweise erreicht. Es sollte eine Quotierung der Ausgaben angestrebt und somit Ansätze in Lebenswelten stärker gefördert werden.

Zur Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung gehört auch, dass endlich ausreichend Forschungsgelder in die Hand genommen werden: Die Bundesregierung darf es nicht bei der bloßen Forderung nach Evidenzbasierung belassen, sie muss diese auch unterstützen. „Forschungen im Präventionsbereich müssen ausgebaut und notwendige Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus muss endlich eine umfassende Gesundheitsberichterstattung erfolgen und damit mehr Transparenz des Präventionsgeschehens geschaffen werden“, so die Präsidentin weiter.

Der jüngst veröffentliche Report des privaten Krankenversicherers DKV stimmt bedenklich. Nur 14% der Deutschen leben rundum gesund. Überraschend und gleichermaßen bedenklich ist das Schicksalsdenken der Deutschen. Mehr als die Hälfte der Befragten stimmte der Aussage zu „Wenn ich krank werde oder sterbe, dann passiert das eben. Ich kann es nicht beeinflussen.“ Diese Aussage muss als Aufforderung verstanden werden, das Bewusstsein für die Möglichkeit der Gesundheitsverbesserung durch eigenes Handeln zu stärken, und zwar jetzt.

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