Gesund und fit in den Tag
Parlamentarisches Gesundheitsfrühstück im Reichstag mehr
riet Sebastian Kneipp seinen Anhängern, und unter diesem Motto taten sich bald die Menschen in seinem Sinne zusammen. So entstanden nach 1890 die Kneipp-Vereine, deren vielfältige Aktivitäten bald die Gründung eines Dachverbandes nötig machten. Im August 1897, kurz nach Kneipps Tod, wurde der Kneipp-Bund e. V. gegründet. Er koordinierte die Arbeit der damals 45 Vereine und schuf ein Forum für den Gedankenaustausch aller Mitglieder. Zunächst agierte er von Berlin aus, was dem „Zentral-Verein“ in Bad Wörishofen gar nicht gefiel. Nachdem Pfarrer Kneipp von 1855 bis zu seinem Tode im Jahr 1897 hier gewirkt hatte, wollten sie natürlich auch im Allgäu den Sitz der Bewegung behalten.
Kneipp selber hatte im ersten Kneipp-Blatt (1891 gegründet von Ludwig Auer aus Donauwörth) persönlich seine Vorstellungen über die Aufgaben des Kneipp-Vereins bekannt gegeben: Seine Lehre sollten Fachleute übernehmen, dabei Leidenschaft und Politik beiseite lassen, hingegen den Geist der Religion berücksichtigen. Dieser Wunsch erfüllte sich auch im 1891 gegründeten Kneipp-Ärztebund, bei dessen ersten Treffen Kneipp noch selbst eifrig mitdiskutierte. Man bedenke, dass die Kneipp-Ärzte damals noch als „Nichtmediziner“, wenn nicht Kurpfuscher galten und von den etablierteren Ärzteverbänden stark angefeindet wurden. So gab es in der Münchener Medizinischen Wochenschrift einen Nachruf auf Sebastian Kneipp, in dem es hieß:
„Denn wenn man auch vom ärztlichen Standpunkte aus die Thätigkeit Kneipps verwerfen und für schädlich erachten musste, so war er doch eine so originelle und interessante Erscheinung, dass er mit den Kurpfuschern gewöhnlichen Schlages nicht auf gleiche Stufe gestellt werden darf. Von diesen unterscheidet ihn vor Allem seine Uneigennützigkeit und seine Menschenliebe.“ An Kneipp, so vermerkt der damalige Redakteur mit erstaunlich wenig Herablassung, sei „ein Arzt verloren gegangen.“ Und voraussichtlich werde wohl sein System (gemeint war vor allem die Behandlung mit Wasser) bald von der Bildfläche verschwinden.
Genau das ist Kneipp nicht. Wobei hinzuzufügen sei, dass Kneipp zu Lebzeiten in den USA der drittbekannteste Mann war (nach Präsident Roosevelt und Bismarck) Bereits in den Jahrzehnten nach seinem Tod wuchs hierzulande die Zahl der Vereinsmitglieder stetig. Trotzdem schafften es die verschiedenen Betreiber nicht, die Kneipp-Bewegung in einen wirklichen Bund zusammenzubringen, es gab vor allem im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts etliche fehlschlagende Versuche. Im Ersten Weltkrieg erlosch die Verbands- und Vereinstätigkeit fast vollständig, 1921 endlich fanden die Wörishofener und die Berliner Verbände zu einem zusammen. In den 30er-Jahren hatte die Kneipp-Bewegung bereits rund 50.000 Mitglieder. Zur gleichen Zeit waren allerdings die Naturheil- oder Prießnitz-Vereine zahlenmäßig überlegen.
1940 bis 1945 wurde der Kneipp-Bund nach mehrfacher Umbenennung der „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Leben- und Heilweise“ bzw. dem „Deutschen Gesundheitsbund“ eingegliedert. Die Kneipp-Blätter wichen einem gleichgeschalteten Zentralorgan. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Bewegung nur langsam wieder in Gang, aber bis Ende der 50er-Jahre hatte sie wieder rund 50.000 Mitglieder. Stetiges Wachstum brachte die Zahl bis heute auf über 160.000, wobei ein neuer Schub durch die Wiedervereinigung aus den Neuen Bundesländern kam.
Der Kneipp-Bund wurde 1948 neu formiert. Einer der aktivsten Wiedergründer war der spätere Präsident E. Memminger, und er berichtet über seine damalige Werbetätigkeit: „Am schwierigsten war es, die Klischeevorstellungen über Kneipp abzubauen (…) im Zusammenhang mit der Kaltwasserkur und teils einer fanatischen Lebensweise.“ 1953 gelang es, die Anerkennung der Kneipp-Kur durch die Sozialversicherungen durchzusetzen. 1957/58 wurde die Sebastian-Kneipp-Schule in Bad Wörishofen gegründet und es entstand in Bad Lauterberg 1960 die „Norddeutsche Gesundheitsschule“. Der Sitz des Verbandes wurde 1968 nach München verlegt. 1970 entstand in Hannover ein Kneipp-Jugend- und Sportsekretariat und der Kneipp-Bund wurde Mitglied im Deutschen Sport-Bund (inzwischen: Deutscher Olympischer Sport-Bund). 1977 nahm die „Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung“ mit dem ersten Lehrgang für Gesundheitserzieher (heute: Gesundheitspädagogen) Gestalt an und der Kurbetrieb in Bad Wörishofen entstand mit dem Ankauf von „Haus Renate“. 1987 wurde der Sitz des Kneipp-Bundes nach Bad Wörishofen verlegt, in die früheren Räume der Sebastian-Kneipp-Schule. Seither sind alle Abteilungen, der Kneipp-Kurbetrieb, die Sebastian-Kneipp-Akademie, der Kneipp-Verlag und die Internationale Konföderation der Kneipp-Bewegung (heute: kneipp wolrdwide) unter einem Dach in der Adolf-Scholz-Allee vereint. Hier steht seither das Kneipp-Zentrum.
Neben Verbreitung der Lehre Kneipps, Aus- und Fortbildung sah der Kneipp-Bund seine Aufgabe auch im gesundheitspolitischen Bereich. In den 90er-Jahren fand dieser Anspruch besonders deutlich seinen Niederschlag. So trat der Kneipp-Bund dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband bei und eröffnete 2003 das Büro für Gesundheit und Prävention in Berlin, das als gesundheitspolitischer Arm der Bewegung agiert. Sein Ziel ist es vor allem den Präventionsgedanken in allen relevanten Gremien zu verankern.
1998 gründete sich in Frankfurt / Main die Kneipp-Jugend Deutschland.
Im Jahr 2004 wurde die Produktion des Magazins Kneipp®-Kindergarten ins Kneipp-Zentrum nach Bad Wörishofen geholt. Damit reagierte das 1995 eingerichtete Kinder- und Jugendreferat auf das wachsende Interesse der Menschen an „Kneipp für Kinder“. Stetig wuchs die Zahl der zertifizierten Kneipp-Kindertagesstätten, im Augenblick (November 2008) sind es bundesweit 179 sowie etliche in der Vorbereitungsphase.
Mit großem Stolz feierte der Kneipp-Bund e.V. mit seinen Bildungseinrichtungen 2006 die Anerkennung für sein Qualitätsmanagement nach DIN En ISO 9001. Die Mitarbeiter bemühen sich ständig, die Qualität zu erhalten und zu verbessern und die Ansprüche mit Leben zu erfüllen.