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Seit wann gibt es eigentlich den Kneipp-Bund?
Wie wurde er zur größten privaten Gesundheitsorganisation in Deutschland?
Und was hat Sebastian Kneipp mit Präsident Roosevelt und Otto von Bismarck zu tun?
Wir nehmen Sie mit auf eine Zeitreise.
„Ratet und helfet einander!“
riet Sebastian Kneipp seinen Anhängern, und unter diesem Motto taten sich bald die Menschen in seinem Sinne zusammen. So entstanden nach 1890 die Kneipp-Vereine, deren vielfältige Aktivitäten bald die Gründung eines Dachverbandes nötig machten.
Schon kurz nach Kneipps Tod im Jahre 1897, wurde der Kneipp-Bund e.V. gegründet. Er koordinierte die Arbeit der damals 45 Vereine und schuf ein Forum für den Gedankenaustausch aller Mitglieder.
Kneipp selber hatte noch im ersten Kneipp-Blatt (1891 gegründet von Ludwig Auer aus Donauwörth) persönlich seine Vorstellungen über die Aufgabe der Kneipp-Vereine bekannt gegeben: Seine Lehre sollten Fachleute übernehmen, dabei Leidenschaft und Politik beiseite lassen, hingegen den Geist der Religion berücksichtigen. Dieser Wunsch erfüllte sich auch im 1891 gegründeten Kneipp-Ärztebund, bei dessen ersten Treffen Kneipp noch selbst eifrig mitdiskutierte.
Man bedenke, dass die Kneipp-Ärzte damals noch als „Nichtmediziner“, wenn nicht Kurpfuscher galten und von den etablierteren Ärzteverbänden stark angefeindet wurden. So gab es in der Münchener Medizinischen Wochenschrift einen Nachruf auf Sebastian Kneipp, in dem es hieß:
„Denn wenn man auch vom ärztlichen Standpunkte aus die Thätigkeit Kneipps verwerfen und für schädlich erachten musste, so war er doch eine so originelle und interessante Erscheinung, dass er mit den Kurpfuschern gewöhnlichen Schlages nicht auf gleiche Stufe gestellt werden darf. Von diesen unterscheidet ihn vor Allem seine Uneigennützigkeit und seine Menschenliebe.“
Dass es sich bei Sebastian Kneipp nicht um einen „Kurpfuscher“ handelte, sondern um einen Menschen mit einer ganz besonderen Gesundheitsidee machte in den Folgejahren allerdings schnell die Runde. Bereits zu Lebzeiten war Sebastian Kneipp in den USA der drittbekannteste Mann (nach Präsident Roosevelt und Bismarck). In Deutschland wuchs in den Jahrzehnten nach seinem Tod die Zahl der Vereinsmitglieder stetig.
Trotzdem gelang es zunächst nicht, die Kneipp-Bewegung in einen wirklichen Bund zusammenzubringen. Im Ersten Weltkrieg erlosch die Verbands- und Vereinstätigkeit dann fast vollständig. 1921 endlich schlossen sich die Wörishofener und die Berliner Verbände zusammen. In den 30er-Jahren hatte die Kneipp-Bewegung bereits rund 50.000 Mitglieder.
Zwischen 1940 und 1945 wurde der Kneipp-Bund nach mehrfacher Umbenennung der „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Leben- und Heilweise“ bzw. dem „Deutschen Gesundheitsbund“ eingegliedert. Die Kneipp-Blätter mussten einem gleichgeschalteten Zentralorgan weichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Bewegung nur langsam wieder in Gang, aber bis Ende der 50er-Jahre hatte sie wieder rund 50.000 Mitglieder.
Wichtige Stationen auf dem Weg waren 1953 die Anerkennung der Kneipp-Kur durch die Sozialversicherungen und wenig später die Gründung der Sebastian-Kneipp-Schule in Bad Wörishofen 1957/58. In Bad Lauterberg entstand 1960 die „Norddeutsche Gesundheitsschule“. Der Sitz des Verbandes wurde 1968 nach München verlegt. 1970 entstand in Hannover ein Kneipp-Jugend- und Sportsekretariat und der Kneipp-Bund wurde Mitglied im Deutschen Sport-Bund (inzwischen: Deutscher Olympischer Sport-Bund). 1977 nahm die „Sebastian-Kneipp-Akademie für Gesundheitsbildung“ mit dem ersten Lehrgang für Gesundheitserzieher (heute: Gesundheitspädagogen) Gestalt an und der Kurbetrieb in Bad Wörishofen entstand mit dem Ankauf von „Haus Renate“. 1987 wurde der Sitz des Kneipp-Bundes nach Bad Wörishofen verlegt, in die früheren Räume der Sebastian-Kneipp-Schule. Seither sind alle Abteilungen, der Kneipp-Kurbetrieb, die Sebastian-Kneipp-Akademie, der Kneipp-Verlag und die Internationale Konföderation der Kneipp-Bewegung (heute: kneipp worldwide) unter einem Dach in der Adolf-Scholz-Allee vereint. Hier steht seither das Kneipp-Zentrum. Stetiges Wachstum brachte die Zahl bis heute auf über 160.000 Mitglieder in Kneipp-Vereinen, wobei ein neuer Schub durch die Wiedervereinigung aus den Neuen Bundesländern kam.
Neben Verbreitung der Lehre Kneipps, Aus- und Fortbildung sah der Kneipp-Bund seine Aufgabe auch im gesundheitspolitischen Bereich. In den 90er-Jahren fand dieser Anspruch besonders deutlich seinen Niederschlag. So trat der Kneipp-Bund dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband bei und eröffnete 2003 das Büro für Gesundheit und Prävention in Berlin, das als gesundheitspolitischer Arm der Bewegung agiert (seit 2009 Berliner Büro). Sein Ziel ist es vor allem den Präventionsgedanken in allen relevanten Gremien zu verankern.
1998 gründete sich in Frankfurt am / Main die Kneipp-Jugend Deutschland.
Im Jahr 2004 wurde die Produktion des Magazins Kneipp®-Kindergarten ins Kneipp-Zentrum nach Bad Wörishofen verlegt. Damit reagierte das 1995 eingerichtete Kinder- und Jugendreferat auf das wachsende Interesse der Menschen an „Kneipp für Kinder“. Stetig wuchs die Zahl der vom Kneipp-Bund anerkannten KiTas, inzwischen sind es knapp 200 sowie etliche in der Vorbereitungsphase.
Mit großem Stolz feierte der Kneipp-Bund e.V. mit seinen Bildungseinrichtungen 2006 die Anerkennung für sein Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9001. Die Mitarbeiter arbeiten ständig daran, die Qualität zu erhalten, zu verbessern und die Ansprüche mit Leben zu erfüllen.
Der Kneipp-Bund ist der Dachverband für die rund 600 Kneipp-Vereine in Deutschland. Über 160.000 Mitgliedern machen ihn zur größten privaten deutschen Gesundheitsorganisation. Mit einer bewegten Geschichte.